Flutlicht, Frost und Fußball-Drama – SV Wolfegg zieht ins Viertelfinale ein
Es ist Dienstagabend am Wolfegger Eisweiher, Flutlicht an, die Temperaturen eher Kategorie „Tiefkühltruhe“ als Frühlingsgefühle – und trotzdem lag dieses ganz besondere Pokal-Knistern in der Luft. Gut drei Wochen nach dem ursprünglich angesetzten Termin an Gründonnerstag (der tatsächlich wegen Schnee abgesagt wurde – kein Aprilscherz!) stand nun endlich das Achtelfinale gegen den favorisierten Bezirksligisten SV Aichstetten an.
Die Rollen waren vor dem Spiel klar verteilt: Hier der klassentiefere Kreisligist SV Wolfegg, dort der ambitionierte Gast aus Aichstetten aus der Bezirksliga. Doch wie jeder weiß, hat der Pokal seine eigenen Gesetze – und Wolfegg hatte sich fest vorgenommen, diese an diesem Abend neu zu schreiben.
Bereits vor Anpfiff gab es die erste überraschende in der Aufstellung: Stammtorhüter „Wuwu“ musste beruflich bedingt passen, für ihn rückte Marci „Mille“ Miller zwischen die Pfosten. Eine Personalie, die im Laufe des Abends noch epische Bedeutung bekommen sollte.
Und der SVW legte los wie die Feuerwehr: In der 3. Minute schickte Luki Reinisch Goalgetter Dischl auf die Reise, der allein vor dem Torwart die Nerven behielt und „eiskalt wie eine Wolfschnauze“ zum 1:0 einschob. Traumstart aus Sicht der Heimelf !Doch wer dachte, das würde Sicherheit geben, wurde schnell eines Besseren belehrt. In der 8. Minute hatte Wolfegg gleich doppelt das Glück auf seiner Seite: Erst wurde ein Ball spektakulär von Innenverteidiger Jakob Jocham auf der Linie geklärt, dann krachte der Nachschuss an die Latte. Selbst Zimmermann Jocham zeigte sich schwer beeindruckt von diesem Hammer ans Gebälk - Dusel für den SVW! In der 12. Minute war es dann aber so weit: Nach einem langen Ball bekam Wolfegg die Kugel nicht geklärt, und Aichstettens Torjäger Timo Stölzle vollendete im Fallen artistisch zum 1:1. In der Folge verlor der SVW etwas den Faden. Viele Fehler im Aufbau, dazu die lautstarke Spielweise der Gäste – Wolfegg wirkte beeindruckt und fand lange nicht zurück ins Spiel. Kurz vor der Pause dann der nächste Nackenschlag: Nach einem Eckball stand ein Andreas Rock von Aichstetten mutterseelenallein und drosch das Leder humorlos aus kurzer Entfernung unter die Latte – 1:2 zur Halbzeit.
Nach dem Seitenwechsel hätte die Partie früh entschieden sein können: In der 53. Minute lief erneut Stölzle allein auf „Mille“ zu, doch dieser Abschluss landete – zum Glück für Wolfegg – an der Latte. Aichstetten blieb am Drücker, erspielte sich Chance um Chance. Doch jetzt begann die große Show von Marci Miller. Mit jeder Parade wurde er sicherer, mit jeder Aktion lauter – und mit jeder Minute mehr zum Rückhalt seiner Mannschaft. „Mille“ lief heiß. Und wie. Die Schlussviertelstunde brach an – und auf der Wolfegger Bank wusste man: Jetzt passiert oft noch etwas. In der 80. Minute hatte Dischl den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte jedoch am Keeper. Sichtlich genervt forderte er daraufhin einen neuen Spielball. Ein Wechsel mit Folgen. Zuerst setzte Kapitän Simon Frick nach einer Ecke in der 89.Minute den Ball mit dem Kopf knapp über das Tor. Die Nachspielzeit lief bereits, fünf Minuten zeigte der Schiedsrichter an. Und dann kam Minute 92: Nach Ablage von Mori Müller zog Dischl aus gut 20 Metern ab – wuchtig, leicht abgefälscht, unhaltbar. 2:2! Der Eisweiher bebte. Wer bis dahin noch nicht eingefroren war, zitterte jetzt vor Spannung.
Elfmeterschießen. Pokal. Mehr Drama geht nicht.
Und hier schlug endgültig die Stunde von „Mille“:
Während auf Wolfegger Seite Dischl, Lang, Wurster und Metzler souverän verwandelten, parierte Miller gleich zwei Strafstöße der Gäste. Am Ende stand ein 6:4 nach Elfmeterschießen auf dem Spielberichtsbogen – und grenzenloser Jubel beim SVW.
Fazit: Ein Spiel, das alles hatte – Schneeverschiebung, frühes Tor, zittrige Phasen, einen überragenden Ersatzkeeper und ein Finale, das selbst Drehbuchautoren nicht besser hätten schreiben können.
Der SV Wolfegg steht im Viertelfinale des Bezirkspokals – dank Teamgeist, Nervenstärke und einem Torhüter, der an diesem Abend endgültig zum Pokalhelden wurde.